Paul Botzenhardt

Verlag Peter Kurze · Freudenbergstr. 4 · 28213 Bremen · E-Mail

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Paul Botzenhardt (* 25. Mai 1914 in Ulm;
† 4. September 2000 in Köngen) war einer der bekanntesten Auto-Fotografen des 20. Jahrhunderts.

Botzenhardt, Sohn eines Lokführers, studierte ab 1934 mehrere Semester Maschinenbau an der Hochschule für Technik Stuttgart. Nach dem Vordiplom arbeitete er ab 1936 als Techniker bei der Fortuna-Werke AG in Bad Cannstadt. 1939 zog ihn die Wehrmacht zum Kriegsdienst ein. Als Soldat einer Heeresflak-Abteilung musste er am Krieg gegen die Sowjetunion teilnehmen. Sein Zugführer war zeitweise der spätere bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß. Nach der Schlacht von Stalingrad kam er im Februar 1943 in russische Kriegsgefangenschaft. Erst 1951 konnte er nach Deutschland (Plochingen/Württemberg) zu seiner Ehefrau (Heirat 1941) zurückkehren.

Ende der  1990er-Jahre erwähnte er in einem Gespräch, dass er aufgrund des Kriegs  und der Gefangenschaft nie wieder bereit war, einen Befehl  entgegenzunehmen oder auszuführen. Das Ergebnis dieser Überlegung führte zur beruflichen Selbstständigkeit. Fotohobbyist Botzenhardt kaufte eine Exakta-Kamera und einen alten MAN-Bus. Dieses Fahrzeug baute er zu einem rollenden  Fotolabor mit Schlafplätzen um. Mit einem Fotolaboranten bereiste er  Messen, wie zum Beispiel die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt/Main und die Hannover-Messe. Dort fotografierte er die wichtigsten Messestände der ausstellenden  Unternehmen und brachte den belichteten Film sofort zum Entwickeln zu  seinem Bus. Der Laborant erstellte die Negative und zog davon Positive,  die er in die Fenster des Busses hing. So konnten sich die zahlreichen  Pressevertreter Fotos aussuchen, sie kaufen und direkt mit zu ihren  Redaktionen nehmen.

Später, als die Pressevertreter immer häufiger selbst  fotografierten, nahm Botzenhardt verstärkt Aufträge an. So arbeitete er  bis in die 1980er-Jahre für die Druckmedien und die Autoindustrie. Seine Industriekunden waren Audi, Auto Union, Borgward, BMW, Citroën, Ford, Goliath, Gutbrod, Lancia, Lloyd, Magirus-Deutz, Mercedes-Benz, NSU, Opel, Porsche, Renault, Simca, Volkswagen und Volvo. Gleichzeitig schuf er Werbeaufnahmen für die Hohner Musikinstrumente GmbH und den Antennenbauer Hirschmann.

Botzenhardts Bilder zeigten die Autos fast immer mit Models. So brachte er softe Erotik über die Presseabteilungen der Autohersteller in Zeitungen, Zeitschriften und Automobilkataloge.

Botzenhardt gilt nicht als Erfinder des Mitziehers, aber als der Fotograf, der diese Aufnahmetechnik beherrschte und  salonfähig machte. Dabei stellte er die Verschlusszeit der damals  manuellen Kamera auf 1/30 Sekunde ein und richtete das Objektiv auf das  vorbeifahrende Auto, schwenkte die Kamera mit, sodass immer der gleiche  Punkt des Wagens erfasst wurde, und drückte ab. Das Ergebnis ist ein  dynamisch wirkendes Foto, auf dem das Fahrzeug scharf abgebildet ist, der Hintergrund und die drehenden Räder abver verwischt sind.

“Botze”, so sein Spitzname, fotografierte hauptsächlich im Kleinbildformat und verwendete einen  selbst erstellten Feinkorn-Negativentwickler. Sein Gesamtwerk beträgt  zirka 200.000 Aufnahmen, seine Fotos gelten als die meist gedruckten  Autobilder der 50er-, 60er- und 70er-Jahre. Die Negative, Positive und  die Nutzungsrechte befinden sich im Besitz des Bremer Verlegers Peter Kurze.

Literatur

  • Paul Botzenhardt: Borgward im Blick. Verlag Peter Kurze, Bremen 2003, ISBN 978-3-927485-42-6.
  • Wankel im Blick. Paul Botzenhardt fotografiert NSU Spider, RO 80, Mercedes C 111. Verlag Peter Kurze, Bremen 2003, ISBN 978-3-927485-44-0.

Foto 1: Paul Botzenhardt

Foto 2: Ford Taunus 17 M, 1958

Foto 3: Fiat 125

Foto 4: Peugeot 504